20 Meter weiter

Ein Driver, der Spielenden 20 Meter Längenzuwachs verspricht: Der Schweizer Clubfitter Norbert Studer hat diesen neuen Driver in seinem Studio in Mägenwil entwickelt. Erfahrung, weiche Schäfte und angepasste Schlägerköpfe bilden die Grundlage für den Superdriver.

TEXT & FOTOS: THOMAS BOROWSKI

Norbert Studer ist ein golf-fanatischer Tüftler. In seinem Studio für Golf Custom Fitting «R and L Golf» in Mägenwil arbeitet der 74-Jährige mit Golflehrerausbildung seit rund 20 Jahren im Geschäft. Über die Jahre hat er sich eine grosse Expertise erarbeitet, welche er seiner Kundschaft in Form von massgeschneiderten Schlägern anbietet. Seine Arbeit bringt es mit sich, dass er sich in der Freizeit auch mal einen Longest-Drive-Wettbewerb anschaut, wie er sagt: «Und bei einem dieser Wettbewerbe gab der muskulöse Sieger preis, dass er einen L-Schaft spielt. Das überraschte mich und regte mich zum Nachdenken an, da L in der Regel für Ladies oder Light steht.»

Denn üblicherweise geht man in der Golfszene davon aus, dass sportliche Golferinnen und Golfer von fünf verschiedenen Härtegraden bei den Golfschlägerschäften (L-Light / A-Average / R-Regular / S-Stiff / X-Extra-Stiff) mindestens einen R-, wenn nicht sogar einen S-Schaft wählen. Laut Norbert Studer sei dies auf dem Golfmarkt die gängige Vorgehensweise, welche durch die Profis auf der Tour beeinflusst werde: «Wer etwas auf sich hält, spielt einen steifen Schaft. Auch wenn dieser Entscheid nicht immer rational erklärbar ist, wird er heute doch von den meisten Pros und Proetten auf der Tour gepflegt und vorgelebt. Es gibt da kaum jemanden, der überhaupt daran denkt, dass er oder sie mit einem weichen Schaft besser spielen würde. Das ist vor allem auch eine mentale Angelegenheit.»

Norbert Studer aber sind solche Stereotypen fremd. Er nahm sich vor einigen Monaten den Longest-Drive-Sieger zum Vorbild und begann damit, die neuen Driver zu bauen, wie er erklärt: «Ich stellte mir zwei Driver mit Schlägerköpfen von KZG und Wishon sowie mit weichen L-Schäften von Wishon zusammen und machte damit Versuche auf der Driving Range.» Die Resultate begeisterten ihn. «Nach einigen Versuchen und weiteren Tests mit unterschiedlichen Schlägerkopfgewichten erzielte ich regelmässig gut 20 Meter mehr Länge. Auf dem professionellen Launch-Monitor zeigte es mir zudem eine deutlich höhere Schlägerkopfgeschwindigkeit an.» Der erfreuliche Weitenzuwachs stellte sich auch bei befreundeten Spielern ein, darunter auch Single-Handicapern, welche von Norbert Studer den Superdriver zu Testzwecken ausgehändigt bekamen. «Ich habe nur positive Rückmeldungen erhalten und mittlerweile sechs Golfspieler mit meinen Drivern ausgestattet. Bei den Tests stellten wir übrigens fest, dass sich der Schläger nur für Spielende eignet, welche mindestens eine Schlägerkopfgeschwindigkeit von über 80 Meilen erreichen und einen späten Wrist Cock Release haben.»

Die Frage, warum diese Driver-Kombination nicht schon längst auf der Tour und bei allen Clubfittern zur Anwendung kommt, liess Norbert Studer keine Ruhe. Eine aufschlussreiche Antwort liefert ihm der amerikanische Schläger-Guru Tom Wishon, mit dem Studer regelmässig in Kontakt ist und den er per Mail mit der Frage konfrontierte. Die Antwort von Wishon: «Was du mit deiner Driver-Kombination herausgefunden hast, ist für mich nicht verwunderlich. Ein flexiblerer Schaft führt bei einem guten Spieler mit einem späten Release zu einer höheren Schlägerkopfgeschwindigkeit und damit zu einem eigentlichen Peitscheneffekt, welcher in einer grösseren Carry-Distanz resultiert. Wenn man keine psychologische Barriere im Kopf hat und sich mit dem Gefühl des weichen Lady-Schaftes anfreunden kann, steht der grösseren Distanz nichts im Wege.» Dass die Idee von Norbert Studer nicht neu ist, weiss Tom Wishon mit einer Anekdote zu belegen: «Seit einigen Jahren weist der teure Auto- Flex-Schaft aus Korea äusserst flexible, aber trotzdem verwindungssteife Eigenschaften auf. Adam Scott spielte Anfang dieser Saison wieder einige Turniere damit, wechselte aber rasch zurück auf seine harten Schäfte, weil er sich anscheinend mental nicht an das Gefühl gewöhnen konnte, mit einem so flexiblen Schläger gut zu spielen.» Für alle anderen, welche keine solchen Barrieren im Kopf haben, sei der Superdriver von Norbert Studer aber sicherlich ein Gamechanger.

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