Der Wegbereiter

Junge Schweizer Pros dürfen auf die Unterstützung des Swiss Golf Pro Supporter Club zählen. Der Präsident Michel P.G. Burckhardt erklärt, wie diese Hilfe aussieht und was er den aktuellen Spielern zutraut.

INTERVIEW: DIETER LIECHTI UND NINA TREML | FOTOS: ANDRÉ SPRINGER

Michel P.G. Burckhardt, der Swiss Golf Pro Supporter Club wurde 1992 mit dem Zweck gegründet, junge Schweizer Golf-Professionals am Anfang ihrer Tourkarriere zu unterstützen. Hat sich an diesem Grundsatz in den vergangenen 31 Jahren etwas geändert?
Nein, wir verfolgen nach wie vor den Vorsatz, junge und talentierte Schweizer Professionals auf ihrem Weg durch die verschiedenen Tours zu unterstützen. Was ich änderte, als ich 2010 nach über zehn Jahren im Vorstand Präsident wurde, ist, das «Pro» in den Namen aufzunehmen – davor hiessen wir nur Swiss Golf Supporter Club. Mit dem «Pro» zeigen wir, dass wir ausschliesslich Profis unterstützen und grenzen uns von Swiss Golf ab, die auch Amateure unterstützen. 2023 führten wir zudem eine Altersgrenze von 30 Jahren ein. Wir sind der Ansicht, wer bis 30 den Aufstieg in die DP World Tour nicht erreicht hat, wird es vermutlich auch nicht mehr. Und wer dort angekommen ist, braucht unsere Unterstützung nicht mehr.

Welches sind die grössten Erfolge, die der Swiss Golf Pro Supporter Club unter deiner Präsidentschaft vorweisen konnte?
«Unter mir» wäre zu viel gesagt. Aber der Sieg letztes Jahr von Jeremy Freiburghaus auf der Challenge Tour und sein Aufstieg in die DP World Tour lässt sich sicher als Erfolg werten. Wir haben Jeremy in den letzten Jahren nicht nur mit Prämien unterstützt, sondern uns auf seinen Wunsch unter anderem an den Kosten seines Mentaltrainers beteiligt. Seit er diesen Trainer hat, ist er mental viel stabiler geworden. Weitere Siege erzielten Mathias Eggenberger, Joel Girrbach, Marco Iten (2x) und Benjamin Rusch (4x).

Die Schweizer Golfszene wächst kontinuierlich, doch die ganz grossen Pro-Erfolge bleiben aus. Wo liegt das Problem?
Ich sehe das anders. Die Schweiz kann sehr wohl Pro-Erfolge vorweisen, wenn man sieht, was Albane Valenzuela und die Metraux-Schwestern in den USA schon erreicht haben. Die Schweiz ist nun mal klein und die Saison relativ kurz, da darf man nicht zu viel aufs Mal erwarten. Aber ich bin sicher, dass sich die internationalen Erfolge, die sich bereits bei den Amateuren zeigen, bald auch bei den Profis einstellen werden.

Welchen Spielern traust du am ehesten zu, einen Major-Titel oder eine olympische Goldmedaille heimzutragen?
Nebst Albane Valenzuela, Morgane Metraux und Kim Metraux ist in den kommenden Jahren auch mit Elena Moosmann und Vanessa Knecht zu rechnen. Wenn sie weiter auf diesem Niveau spielen, werden sie die Spitze erreichen. Bei den Herren sind es derzeit Fragezeichen. Für Jeremy Freiburghaus steigt der Druck mit seinem Aufstieg in die DP World Tour. Aber er hat das Potenzial für ganz grosse Turniersiege. Wir müssen ihm etwas Zeit lassen.

Wie du selber sagst, sieht es bei den Schweizer Damen derzeit besser aus als bei den Herren. Warum sind unter den 10 Spielern, die ihr unterstützt, nur drei Frauen?
Das hat sich so ergeben. Die Bedingung ist, dass die Spieler bei zwei von drei Member Days dabei sein müssen, die wir organisieren. Für die Spielerinnen, die in Amerika leben, ist es fast nicht möglich, zweimal im Jahr extra dafür in die Schweiz zu reisen. Ausserdem ist es so, dass nicht wir die Pros anfragen und ihnen unsere Unterstützung anbieten, sondern umgekehrt: Die Pros melden sich bei uns und stellen ein Gesuch.

Ist das ein Appell an weibliche Pros, sich bei euch zu melden?
Ja, klar! Aber unser Budget ist limitiert. Wir evaluieren jedes Jahr neu, wen wir unterstützen. Falls ein Pro keine Leistung erbringt, wird sein «Platz» frei. Wen wir in Zukunft auch noch unterstützen werden, ist Tiffany Arafi. Mit ihr werden dann vier Frauen auf der Liste sein.

Wie darf man sich diese Unterstützung eigentlich vorstellen? Du hast vorhin erwähnt, dass ihr euch bei Jeremy Freiburghaus an den Kosten des Mentaltrainers beteiligt habt.
Niemand erhält einen Fixbetrag. Wir verteilen unsere Gelder nicht nach dem Giesskannen-, sondern nach dem Leistungsprinzip. Die Prämien richten sich danach, ob die Spieler den Cut schaffen und welche Ränge sie erzielen. Zusätzlich führen wir den sogenannten Presidents Fond, über den wir das besagte Mentaltraining mitfinanzieren. Oder wir beteiligen uns beispielsweise, wenn ein Pro für ein wichtiges Turnier wie das British Open einen speziellen Caddie benötigt.

Wie sieht eigentlich eure Zusammenarbeit mit Swiss Golf aus?
Wir sind ein affiliierter Club und stehen in dem berühmten Verbandsbüchlein, in dem alle Clubs aufgeführt sind. Wir führen einen regen Austausch – sei es an Regionaltreffen, Sitzungen oder Delegiertenversammlungen. Und wir tauschen uns auch mit den Coaches von Swiss Golf aus. Deren Einschätzung ist für uns wichtig, um eine Auswahl der Spieler zu treffen, die wir unterstützen möchten.

Könnte man diese Zusammenarbeit noch verbessern und intensivieren?
Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut. Wo wir aber noch mehr zusammenspannen können, ist im Bereich der Turniere. In der Schweiz findet zur Zeit kein Turnier der Alps Tour oder der Pro Golf Tour statt. Das ist ein Manko, das wir nun gemeinsam angehen müssten.

Wie viele Jahre spielst du persönlich eigentlich schon Golf und auf welchem Niveau?
Halte dich fest: seit 60 Jahren, wobei mein Handicap schon seit 50 Jahren einstellig ist. Ich lernte als Kind im Golf Club Schönenberg, den mein Vater mitgründete. Ich selber gründete später den Golfclub Bodensee Weissensberg mit.

Womit die Frage nach deinen Lieblingsplätzen wahrscheinlich schon beantwortet wäre.
Natürlich sind Schönenberg und Weissensberg für mich ganz oben auf der Liste. Zu meinen Favoriten zählen aber auch Cologny, Breitenloo, Ascona sowie Samedan.

Und der schönste Club, in dem du je gespielt hast?
Schwer zu sagen, denn jeder Platz hat seine eigene Schönheit. Aber einer der schönsten ist sicher Teeth of the Dog in der Dominikanischen Republik. Die Vegetation, das Meer, das ganze Layout des Platzes haben es mir angetan.

Hast du ein bestimmtes Vorbild im Golf?
Ich durfte in den letzten 60 Jahren schon viele grosse Stars treffen und bei Pro-Am-Events sogar mit ihnen spielen – darunter Seve Ballesteros, Miguel Ángel Jiménez, Darren Clarke, Gary Player, Bernhard Langer und Laura Davies. Vor allem Letztere hat mich beeindruckt: Neben dem Golfplatz interessiert sie sich vor allem für Fussball und Ferrari und macht einen Witz nach dem anderen. Überhaupt sind die Stars in echt manchmal ganz anders, als man sie über die Medien wahrnimmt. Auch Bernhard Langer hat sich als äusserst humorvoller und lockerer Mensch erwiesen.

Um noch über eine Aktualität zu sprechen: Bist du eher «Team PGA» oder «Team LIV»?
Meiner Meinung nach hat es Platz für beide. Weil beide das Ziel verfolgen, den Golfsport zu fördern. Genau darum geht es doch letztlich.

Social Share