Süsse Revanche

Europas Golfer haben den Titel im prestigeträchtigen Ryder Cup souverän zurückerobert. Damit warten die Amerikaner seit 30 Jahren auf einen Auswärtssieg.

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«Jetzt wird gefeiert!», schrie Europas Ryder-Cup-Kapitän Luke Donald nach dem klaren 16,5 : 11,5 gegen die USA in Rom. Und es wurde gefeiert. Doch einer blieb am Anfang ganz ruhig. Schlüsselspieler Rory McIlroy hielt nach dem «Kampf der Gladiatoren» an den drei Tagen von Rom zunächst inne. «Dieser Sieg bedeutet mir so unglaublich viel», gab sich der OMEGA-Botschafter zurückhaltend, obwohl er in fünf Einsätzen gegen die USA mit vier Punkten zum wichtigsten Golfer der Europäer avancierte. «Ich war so enttäuscht nach Whistling Straits.»

Whistling Straits? Richtig, vor zwei Jahren, beim desaströsen 9 : 19 gegen die Amerikaner, hatte der Nordire vor Enttäuschung und Frust noch geweint. McIlroy ging damals mit einem Formtief in den Kontinentalvergleich und verlor bei seinen sämtlichen drei Einsätzen.

Vergangenheit. Zwar kochten bei McIlroy am Samstagnachmittag die Emotionen hoch, als sie um den Anschluss kämpften: Der viermalige Major-Sieger legte sich mit Patrick Cantlays Caddie Joe LaCava an, der ihn angeblich vor seinem entscheidenden Putt auf dem 18. Grün behindert habe. Laut US-Medienberichten entschuldigte sich LaCava am Sonntagmorgen bei McIlroy, der Nordire allerdings bestritt dies. Und behielt die Nerven.

«Wir hatten diesmal viel frisches Blut im Team, was meiner Meinung nach sehr, sehr gut funktioniert hat», so McIlroy. «Und ich wusste, dass ich eine bessere Leistung für meine Teamkollegen abliefern musste als vor zwei Jahren.» Das ist ihm im Marco Simone Golf & Country Club auch gelungen.

Der entscheidende Putt, mit dem Europa die gewinnbringenden 14,5 Punkte auf sicher hatte, gelang aber dem Engländer Tommy Fleetwood. Und dem war der Rummel um seine Person fast schon unangenehm. «Ich mag es gar nicht, dass der Sieg am Ende an einem der Spieler hängen bleibt», sagte der 32-Jährige: «Aber natürlich: Ich spüre Erleichterung, Stolz und Freude. Ich bin stolz auf alle, die in dieser Woche mitgewirkt haben, und einfach stolz darauf, dass ich einer derjenigen bin, die eine Rolle bei dem spielen durften, wozu wir hierhergekommen sind. Um die Amerikaner zu besiegen.»

Weniger gut und versöhnlich war logischerweise die Stimmung beim Team USA. Kapitän Zach Johnson übernahm sofort die Verantwortung dafür, dass die USA auch dieses Mal auf dem alten Kontinent scheiterten – wie immer in den vergangenen 30 Jahren. «Ich habe ganz offensichtlich einige schlechte Entscheidungen getroffen, und ich werde darüber intensiv nachdenken», so Johnson selbstkritisch. «Diese zwölf Jungs haben so hart gespielt und für unser Land gekämpft. Ich nehme diese Niederlage auf meine Kappe.»

Nebst dem verbalen Schlagabtausch zwischen McIlroy und Patrick Cantlays Caddie Joe LaCava sorgte auch Cantlay selbst für Aufregung. Cantlay dementierte einen Bericht, wonach er die USA-Team-Kappe nicht tragen wollte, um für die Bezahlung der Profis beim Ryder Cup zu demonstrieren. Er habe einfach keine passende gefunden, sagte Cantlay, der von den Fans im Marco Simone Golf Club verhöhnt wurde, davon aber nach eigenen Angaben besonders motiviert wurde.

Es nützte nichts: Die Europäer waren mit einer beruhigenden Führung in den Schlusstag gegangen. Nach den Teamduellen am Freitag und Samstag führten sie 10,5 : 5,5 und brauchten in den abschliessenden zwölf Einzeln nur noch vier Siege. Die Amerikaner hielten den Druck hoch, doch Tommy Fleetwood holte gegen Rickie Fowler den entscheidenden halben Punkt zum 14,5 : 10-Zwischenstand – der Rest ist Geschichte.

Kraftvoll: Jon Rahm in der dritten Runde am 13. Loch beim US Masters.

Tribüne ging in Flammen auf

Schockierende Szenen am Austragungsort des Ryder Cup: Eine Woche nach dem Sieg der Europäer ist es auf dem Golfplatz zu einem Grossbrand gekommen. Eine provisorische Tribüne am 18. Loch ging in Flammen auf. Schwarze Wolken verdunkelten den Himmel über dem Marco Simone Golf Club. Die Anwohner wurden von den Behörden aufgefordert, die Fenster zu schliessen. Laut dem Magazin «Golfweek» haben fünf Feuerwehrautos die grossen Brandherde gelöscht. Meldungen über verletzte Personen hat es keine gegeben.

Ryder Cup 2025 und 2027

Bethpage Black Course in Farmingdale auf Long Island wird in zwei Jahren den nächsten Ryder Cup ausrichten. Der 1936 eröffnete Kurs befindet sich in öffentlichem Besitz und ist der schwierigste von fünf Kursen im Bethpage State Park.

Das Team USA kann sich angesichts seiner Geschichte zuversichtlich auf die Revanche vorbereiten: Denn alle drei grossen Turniere in Bethpage wurden von einem Amerikaner gewonnen. 2002 gewann Tiger Woods das US Open, Lucas Glover folgte 2009 und Brooks Koepka gewann die PGA-Meisterschaft 2019 in Bethpage.

Zwei Jahre später, im Jahr 2027, wird Adare Manor in der irischen Grafschaft Limerick der nächste Gastgeber des Ryder Cup sein.

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