Omega European Masters

Vom 31. August bis am 3. September ist Crans-Montana der Nabel der europäischen Golfwelt. Wir wollten von Turnierdirektor Yves Mittaz wissen, welche Erwartungen er in das Omega European Masters 2023 hat.

INTERVIEW: DIETER LIECHTI | FOTOS: GETTY IMAGES / ZVG

Yves Mittaz, die 75. Ausgabe des Omega European Masters 2022 war ein voller Erfolg. Rückblickend, was war dein absoluter Höhepunkt?
Die beiden vorherigen Ausgaben wurden aufgrund der Covid-Pandemie entweder abgesagt (2020) oder konnten nur eingeschränkt durchgeführt werden. Darum empfand ich persönlich die Rückkehr zur Normalität 2022 als absoluten Höhepunkt. Und ich bin überzeugt, dass das auch für die Spieler und Zuschauer der Fall war.

Über 50 000 Zuschauer beobachteten die Stars auf dem legendären Parcours des Golf Club Crans-sur-Sierre. Wie viele Zuschauer erwartest du in diesem Jahr?
Wir sind in der glücklichen Lage, dass fast ein Drittel der Tickets bereits vor dem Turnier verkauft werden. Und der Vorverkauf läuft bis jetzt sehr gut. Der Rest wird kurzfristig verkauft, was heisst, dass wir auf gutes Wetter angewiesen sind. Ich bin aber überzeugt, dass wir bei gutem Wetter erneut um die 50 000 Zuschauer begrüssen dürfen.

Mit dem südafrikanischen Pro Thriston Lawrence gewann 2022 ein «Neuling» auf dem Parcours den Titel. Eine Seltenheit?
Nein, keinesfalls. Vor Lawrence haben auch schon andere Spieler das Turnier bei ihrer ersten Teilnahme in Crans-Montana gewonnen.

Lawrence ist auch in diesem Jahr dabei und will seinen Titel verteidigen. Wie schätzt du persönlich seine Chancen ein?
Vor seinem Sieg in Crans 2022 hatte Thriston Lawrence bereits zu Beginn der Saison einen Titel gewonnen. In diesem Jahr gewann er zweimal, in Südafrika zu Beginn der Saison und dann Ende Juni in München. Das zeigt, dass er eindeutig einer der Favoriten ist und eine erfolgreiche Titelverteidigung keine Überraschung wäre.

Welches dürften seine härtesten Gegner sein?
Es ist noch zu früh, um das zu sagen, da die Teilnehmerliste (bei Redaktionsschluss) noch nicht offiziell bestätigt ist. Eines ist jedoch sicher: Das Omega European Masters ist das letzte Turnier, bei dem sich europäische Spieler noch für den Ryder Cup qualifizieren können. Diese Tatsache wird für eine enorme Spannung sorgen – Spektakel garantiert!


2022 schafften immerhin drei Schweizer den Cut. Dürfen wir 2023 von einem Exploit träumen?

Es ist unmöglich, jetzt schon Prophezeiungen abzugeben. Sicher wird Jeremy Freibughaus dabei sein. Ansonsten müssen wir abwarten, welche weiteren Spieler von Swiss Golf gemeldet werden.

Aber welcher Schweizer hat die besten Chancen, Werbung für die Schweizer Golfszene zu machen?
Auch wenn seine Saison noch nicht wunschgemäss gelaufen ist, haben wir das Glück, mit Jeremy Freiburghaus zum ersten Mal einen Schweizer Spieler am Start zu haben, der die vollen Spielrechte an der DP World Tour hat. Allein daher ist er das Aushängeschild des Schweizer Golfsports. Und ich traue ihm zu, auf unserem Platz zu glänzen.

Corona ist zwar vorbei, doch der Ukraine-Krieg beherrscht weltweit die Schlagzeilen. Kein gutes Umfeld für die Sponsorensuche, aber trotzdem steht das Omega European Masters gut da. Was ist das Geheimrezept?
Da gibt es kein Geheimrezept. Wir haben das Glück, dass wir auf sehr treue Partner zählen können, teilweise seit mehr als 40 Jahren. Dadurch ist das Turnier finanziell gut abgesichert. Die Treue der Uhrenmarke Omega als Hauptpartner seit dem Jahr 2000 und mit einem bis 2027 gültigen Vertrag bringt grosse Sicherheit für das Turnier – was natürlich auch alle anderen Sponsoren beruhigt.

Könnte das Turnier allein von den Zuschauereinnahmen überleben?
Nein, unmöglich. Aber wir haben das Glück, dass uns unsere Sponsoren nicht nur finanziell unterstützen, sondern dasselbe Ziel verfolgen wie wir: den Event stets voranzubringen. Als Beispiel lädt Titelsponsor Omega jedes Jahr prominente Persönlichkeiten ans Turnier ein, was einen glamourösen Touch sowie eine wichtige Ausstrahlung weit über die Grenzen des Golfsports zur Folge hat. Im vergangenen Jahr sorgte beispielsweise George Clooney für grosse Aufregung und Freude.

Und wer wird in diesem Jahr seine Nachfolge als Showact antreten?
Omega nutzt das Turnier als Plattform auf globaler Ebene. Und ich habe das Gefühl, dass dieses Jahr Asien eine besondere Aufmerksamkeit erhält. Es werden viele Kunden und VIPs aus dieser Region eingeladen. Lassen wir uns also überraschen.

Um den Status als eines der prestigeträchtigsten Turniere der DP World Tour in Europa zu behalten, muss laufend investiert werden. Was muss nach der Einrichtung der neuen Terrasse bei der Dent Blanche Lounge und der Renovierung der Imbissstube am Turn noch verbessert werden?
Wir haben bereits 2011 mit den Renovierungsarbeiten gestartet. Im vergangenen Herbst wurden die Löcher 1, 4 und 5 erneuert. Nach dem Turnier werden es die Greens 7 und 8 sein, dann 10 und 17, und schliesslich wird die Zone des 18. Greens komplett neu gestaltet. Und dann müssen wir wahrscheinlich wieder von vorne anfangen. Das ist der Preis, den wir zahlen, um eine Referenzveranstaltung zu bleiben und einen Topplatz zu bieten.

Dazu gehört sicher auch, dass das Omega European Masters soeben die GEO-Zertifizierung erhalten hat. Auf welchen Fakten basiert diese Zertifizierung?
Die ersten Schritte zur Verbesserung unserer Nachhaltigkeit gehen auf das Jahr 2014 zurück. Unsere Anstrengungen diesbezüglich haben wir laufend und stark intensiviert. Denn es liegt ganz einfach in unserer Verantwortung, die negativen Auswirkungen unseres Anlasses und des Golfsports so weit wie möglich zu verringern.

Der Golfsport hat nicht nur durch Leistungen auf dem Platz für Schlagzeilen gesorgt, sondern auch durch das Duell PGA vs. LIV. Nun wurde Frieden geschlossen. Deine Meinung dazu?
Ganz ehrlich: Ich habe das Gefühl, dass der Golfsport derzeit etwas auf den Kopf gestellt wird! Die Preisgelder, die auf den beiden Touren LIV und PGA bezahlt werden, sind völlig verrückt. Ich bin der Meinung, dass das Einkommen der Arbeiter im Sport (Sportler), wie auch im normalen Leben, einigermassen der geleisteten Arbeit entsprechen sollte. Heute stehen die Beträge in keinem Zusammenhang mit der geleisteten Arbeit.

Zudem fällt es mir schwer zu verstehen, dass die beiden Parteien, die sich über ein ethisches Problem (das Sportswashing) gezankt haben, plötzlich zu einer Einigung kommen, obwohl sich die Situation in Saudi-Arabien nicht verändert hat.

So oder so hat sich dieser Ringkampf auf den Golfsport sehr negativ ausgewirkt. Wenn es nun den verschiedenen Akteuren gelingt, nach dem Vorbild des Tennis endlich eine globale Tour zu schaffen, dann kann man sagen, dass der Golfsport doch noch als Sieger aus diesem Konflikt hervorgegangen ist.

Du hast einen Wunsch für das kommende Omega European Masters offen. Wie lautet der?
Das Wetter bleibt für uns der wichtigste Punkt. Bei gutem Wetter haben wir fast die Gewissheit, dass das Turnier ein Erfolg wird. Und als i-Tüpfelchen wünsche ich mir, dass der beste Spieler den Wettbewerb gewinnt. Aber leider ist das im Golfsport nicht oft der Fall!

Und wie steht es mit deinen persönlichen Fortschritten auf dem Platz? Vor einem Jahr stand dein persönliches Handicap bei 11,3. Wie sieht es jetzt aus?
Leider erlauben mir meine Rückenprobleme kein allzu intensives Trainingsprogramm. Meine Ambitionen sind also begrenzt und ich möchte einfach nur Spass am Spielen mit Freunden haben!

33. Teilnahme von Miguel Ángel Jiménez

Der 59-jährige Spanier hat seine erneute Teilnahme am Omega European Masters vom 31. August bis 3. September 2023 bestätigt.

720 Teilnahmen an Turnieren der European Tour und der älteste Spieler, der jemals ein Turnier in Europa gewonnen hat: Miguel Ángel Jiménez ist seit Jahrzehnten eine feste Grösse des europäischen Golfsports. Auch mit 59 Jahren reiht er weiterhin hervorragende Leistungen aneinander und belegt derzeit den 7. Platz bei den PGA-Tour-Champions in den USA.

Das Omega European Masters ist für Miguel Ángel Jiménez eine Herzenssache. Denn der Sieger aus dem Jahr 2010 hat eine ganz besondere Beziehung zu diesem Turnier. «Das ist mein Lieblingsort zum Golfen und ich komme jedes Jahr gerne hierher zurück. Man muss sich nur umschauen, um zu verstehen, was ich an diesem Ort so liebe. Ich weiss nicht, wie viele Jahre ich noch vor mir habe, aber solange ich mich in der Lage fühle, Birdies zu spielen, werden Sie mich am Omega European Masters antreffen».

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